Erfahrungsbericht Vipassana-Meditation 2026, Leh, Ladakh

Sicht zur Mündung des Nubra in den Shyok von Kloster Diskit

Auf dem Weg zu sich selbst, 10 Tage Vipassana-Meditation in Leh

Im August 2026 besuchte ich meinen vierten 10-Tages-Vipassana-Kurs in der Tradition von Goenka.

Vipassana ist eine Meditationstechnik, die angeblich Buddha einst zur Erleuchtung gebracht hatte. Erfreulicherweise, ist die Technik jedoch nicht auf eine Religionsrichtung beschränkt. Sie ist universell anwendbar. Sie basiert auf drei Säulen: ethische Grundsätze (im Wesentlichen läuft es darauf hinaus, niemanden zu verletzen), Konzentration zu entwickeln und Weisheit zu finden.

Jeder, der sich körperlich und geistig dazu im Stande fühlt, 9-10 Stunden am Tag zu meditieren und 10 Tage zu schweigen, kann den Kurs besuchen, und das kostenlos. 

Am Ende besteht die Möglichkeit, eine Spende zu zahlen, ist jedoch kein muss (vielleicht aber Anstand für 10 Tage Kost, Logie und die Möglichkeit, sich einmal wirklich ernsthaft mit sich selber auseinanderzusetzen?!?).

 

Anfangs ist es sehr anstrengend. Es ist ungewohnt 9-10 Stunden pro Tag sitzend zu meditieren und sich nur auf seine Körperwahrnehmungen zu konzentrieren. Das aus meiner Erfahrung größte Problem, das die meisten durchleben, ist das lange sitzen und die Konzentration auf den Bereich oberhalb der Oberlippe bis zur Nasenwurzel. Es ist extrem ermüdend, da langweilig. Der Geist rebelliert, die Muskeln verspannen durch das lange sitzen und Rücken- und Knieschmerzen stellen sich ein. Es geht bei der Meditation darum, das wahrzunehmen, was gerade ist. Immer wieder Feststellen zu müssen, dass der Geist gern abschweift, das sich Schmerzen einstellen und dann immer wieder das wohlwollende zurückholen des Geistes auf die Nasenpartie. Den Schmerz Schmerz sein lassen und sich nicht auf diesen zu konzentrieren, sich nicht mit dem Schmerz identifizieren. Es ist zum verrückt werden!

Im Yoga und der Meditation wird davon berichtet, dass der Geist einem wilden Affen gleicht, der mal hierhin und mal dorthin springt. Während der langen Meditationssitzungen kann man es am eigenen Leibe erfahren. Und die gute Nachricht, wenn man sich darauf einlässt, und den Geist immer wieder geduldig auf den Bereich der Nasenpartie zurücklenkt, wird man langsam feststellen, dass sich der Geist beruhigt und es immer leichter fällt, ihn zurückzuholen. Und der zentralste Punkt; man wird sich der Vergänglichkeit (Anicca) bewusst. Wirklich alles ist vergänglich: die erfahrenen Schmerzen sind nicht von Dauer, mal sind sie da und mal weg. Und man wird spüren, dass sich die Körperwahrnehmung verfeinert. Nachdem ich diesen Punkt erreicht hatte, wurde es schlagartig einfacher die langen Sitzungen zu durchleben. Mit und mit stellt sich eine Freude ein, die mal stärker und mal schwächer den ganzen Körper erfasst. Und was ist das Fazit? Für mich persönlich: meine Konzentrationsfähigkeit nimmt erheblich zu, ich erfahre am eigenen Körper, wie vergänglich jeder einzelne Moment ist,  

 

Dinge kommen, Dinge gehen. Es macht einen Unterschied, es bewußt wahrzunehmen oder es nur  theoretisch zu wissen. Und diese Erfahrung wie kostbar jeder Moment ist, macht mich ein ganzes Stück menschlicher und womöglich auf toleranter, denn alles geht vorbei und dieses Akzeptieren ist der Schlüssel zum Glück.

Ich plädiere dafür, dass Politiker die ihre eigenen Interessen vertreten 10 Tage Sonderurlaub für den Besuch eines 10-Tages Vipassana-Kurses nach Goenka erhalten sollen. Diejenigen, die sich drauf ernsthaft einlassen, werden gewiss fürsorglicher für andere sein nach dem Kurs;-)

Autorin: Michaela Kaiser, 05.09.2026

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